Tianyu


Tianyu Yuan ist ein NMUNer aus Heidelberg der ersten Stunde. 2010/11 und 2016/17 war er als Faculty Advisor aktiv an dem Projekt beteiligt und 2013/14 als Erster Vorsitzender tätig. In diesem Tuesday Talk spricht er mit uns über die Bedeutung der Vereinten Nationen, die MUN Skills, die besonders Juristen weiterhelfen und dass man, wenn man seine Komfortzone verlässt, auch mal hinter dem Rednerpult in der UN Generalversammlung landen kann.

 

Was hat dich zu deinem Engagement für NMUN und speziell zur Gründung des Vereins bewegt? Was für eine Bedeutung und Wertigkeit hat  NMUN, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Simulationskonferenz einer häufig kritisierten internationalen Organisation handelt?
Ich habe erstmalig 2008 zu Beginn meines damaligen Kybernetik-Studiums an NMUN teilgenommen. Globalisierung und die damit zwingend verbundene Völkerverständigung haben mich seit jeher interessiert und NMUN bietet eine gute Möglichkeit, sich in wesentliche supranationale Themen in einem Simulationskontext einzuarbeiten. Die UN steht - häufig auch berechtigterweise - in der Kritik. Bedeutet das allerdings, dass wir ein internationales Verständigungsorgan der Nationalstaaten nicht brauchen? Sicherlich nicht. Die UN ist eine große Organisation mit sehr hoch gesteckten Zielen und vielen Missionen. Da geht natürlich auch einiges schief - das ist aber normal. Ich bin gespannt, ob die UN es schafft, sich zu modernisieren und zu erneuern.


Was sind die drei wichtigsten Dinge, die man durch NMUN lernen kann?
1. Multilaterale Verhandlungsführung in englischer Sprache - beides ist für Juristen sehr wichtig und wird im Jurastudium nicht vermittelt.
2. Sich in andere Positionen und Kulturen hineinversetzen.
3. Es gibt mehr als das juristische "Klein-Klein" der überformalisierten deutschen Rechtsordnung.


Inwieweit hast du in deinem Jurastudium davon profitiert?
Für das Staatsexamen bringt NMUN nicht wirklich was. Allerdings sollte man sich viel eher klar machen, dass die Fähigkeiten, die im Staatsexamen abgeprüft werden, mit einem künftigen beruflichen oder außerberuflichen Erfolg wenig zu tun haben. Wer in seinem künftigen Leben noch regelmäßig als Aufgabe hat, in 5-stündigen Sitzungen ohne Internet handschriftlich unreife Gedanken auf Papier zu kritzeln, kann ich nur bedauern. Glücklicherweise ist mir kein einziger solcher Fall über den Weg gelaufen. Was die wirklich wichtigen Skills für den künftigen Lebensweg betrifft (z.B. Kommunikation, Verhandlungsfähigkeiten, das Finden praktischer Lösungen, Englisch), bietet NMUN eine ziemlich gute Schule.


Was sind deine schönsten Erinnerungen/Erlebnisse während der Vorbereitung und Konferenz in New York?
Schwer zu sagen - da gibt es viele. Aber es ist schon ein sehr spannendes Gefühl hinter dem großen Marmorblock zu stehen, wo sonst nur die Größen der internationalen Politik stehen dürfen. Das darf man heute bei NMUN leider nicht mehr.


Welche Tipps würdest du gerne an zukünftige Delegierte weitergeben?
Habt Spaß dabei, probiert neue Dinge aus, verlasst bewusst eure Komfort-Zone - es kann schließlich nichts schief gehen.